„Mademoiselle Chambon" - Paartherapie konkret: Arbeit mit Visualisierungen

Viele Paare kommen in die Beratung, um ihre "Kommunikation" zu verbessern. Bald wird jedoch i. d. R. klar: im Vordergrund steht der wertschätzende Umgang mit den eigenen Gefühlen und den Gefühlen des anderen. Wie gehen wir miteinander um? Wie sehe ich mich? Wie sehe ich uns als Paar? Müssen wir uns immer einig sein?


Krisen-Skizze


Anhand konkreter Situationen lässt sich in der Paartherapie die Gefühlsebene beider Partner bewertungsfrei darstellen. Die Erfahrungsebene wird erweitert. Das Paar hat die Möglichkeit, Themen wie Sexualität, Lustlosigkeit, Verhütung, Finanzen, Kindererziehung, Familienplanung, Unordnung, Handy, usw. im Alltag konfliktfreier vorzubereiten und angemessen anzusprechen.


Durch praxisnahe Skizzen werden diese Themen und die Gefühle bzw. Bedürfnisse, Gedanken und konkrete Sprechanlässe visualisiert (vgl. Klees, Paderborn 2018). Der Wert der Emotion wird bestimmt und zeigt die Relevanz der jeweiligen Themen. Dies entlastet. Es schafft neue Sichtweisen: „Dass dich das immer noch so traurig macht, hätte ich nicht gedacht" oder „Gefühle spielen selbst bei Kleinigkeiten eine große Rolle! Das war uns gar nicht so klar!"

In der Paartherapie werden Themen und Konflikte bearbeitet, über die das Paar noch nie "so richtig" gesprochen haben. Der Alltag bietet oft wenig Raum für gemeinsame Gespräche auf Augenhöhe.


Je nach Beziehungsphase werden gegenseitiges Interesse oder Mut zur Leidenschaft weniger. Ist z. B. die Verliebtheitsphase vorbei, werden Gegensätze spürbarer und


Es kann gut sein, dass bei dem einen oder anderen bereits Themen wie „Trennung und Scheidung" konkreter geworden sind, und sich in Streit, Konflikte und Rückzug äußern (z. B. Internet, Sport usw.).



Dies wird auch in dem sehr empfehlenswerten Film „Mademoiselle Chambon“ von Stéphane Brizé angeschnitten: „Der Handwerker Jean ist ein herzensguter Vater und Ehemann. Das Zusammentreffen mit einer besonderen Frau bringt sein Leben jedoch gehörig durcheinander. Als er die Lehrerin seines Sohnes, Mademoiselle Chambon, während seiner Tätigkeit als Aushilfslehrer kennenlernt, entdeckt er Gefühle, die ihm bisher verborgen geblieben waren. Zwischen den beiden entspinnt sich eine unerwartete zarte Romanze, die sie in einen Bann zieht, aus dem sich beide nicht mehr lösen können.“ (www.filmstarts.de)



Visualisierungen


Mit dem Dynamischen Grundriss-Modell nach Disler lassen sich derartige Konflikte vereinfacht darstellen, sodass Zusammenhänge in der Paarbeziehung besser erkannt und wahrgenommen werden können (vgl. Disler, Stuttgart 2019). Dies kann eine befreiende Gesprächsgrundlage sein, um sich näher zu kommen und mehr Verständnis füreinander zu entwicklen.


Die Allparteilichkeit bzw. Neutralität des Beraters schafft dabei den Rahmen für Empathie, Wertschätzung und Echtheit. Beide Partner werden „gesehen". Die Grundbedingung Personzentrierter Paartherapie.


In diesem bewertungsfreien Setting wird die Aktualisierungstendenz zweier Menschen wieder in Gang gesetzt und gestärkt. (Wenn Sie genauer wissen möchten, was mit „Aktualisierungstendenz" gemeint ist, schauen Sie sich doch das Video „Tango tanzen mit Rogers" an: die erste Folge der kleinen Videoserie "Alles Rogers?")


Festgefahrene Paarbeziehungen können sich positiv entwicklen, weil Neugier und Interesse geweckt werden: Was brauchen wir, um uns wieder näher zu kommen? Wie sehe ich mich? Wie sehen wir uns als Paar? Müssen wir uns immer einig sein?


Dabei sind aus systemischer Sicht drei Punkte entscheidend:

„Erstens: Es ist wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, dass man freiwillig in der Beziehung ist. Viele fühlen sich wie gefangen in ihrer Beziehung. Warum ist das so?

Zweitens: Lust, am Unterschied zu entwickeln, bereichert. An Gemeinsamkeiten wächst man weniger. In den Unterschieden steckt Potenzial. Was macht die andere Meinung mit mir? Macht sie mich wütend? Was sagt das über mich aus?

Drittens: Richtig miteinander verhandeln, statt zu streiten. Je lustvoller ich meine Bedürfnisse an dem anderen kommuniziere, umso wahrscheinlicher ist eine Konsensfindung" (vgl. Disler: „Weshalb Kompromisse schlecht für die Beziehung sind").

Paartherapie kann also etwas bewegen, wenn neue Sichtweisen und Erfahrungen ermöglicht werden: „Je affektiv aufgeladener ein Partnerkonflikt ist, desto weniger leuchtet den Beteiligten ein, dass neben der eigenen Blickrichtung die des Partners ebenso berechtigt ist", schreibt der Paar- und Sexualtherapeut Ulrich Clement (Disler 2019, S. 11).



Ergänzende Literatur:


Disler, Bettina: Dynamisierung in der Paartherapie. Lustlosigkeit, Entfremdung und Affären systemisch visualisieren. Stuttgart 2019.

Disler, Bettina: Weshalb Kompromisse schlecht für die Beziehung sind: https://www.familienleben.ch/leben/partnerschaft/loesung-in-sicht-schneller-aha-effekt-bei-beziehungsproblemen-6069

Klees, Katharina: Traumasensible Paartherapie : mit dem Traum(a)-Haus-Konzept aus der Beziehungskrise. Paderborn 2018.

Maaz, Hans-Joachim: Die Liebesfalle. Spielregeln für eine neue Beziehungskultur. 10. Aufl. München 2020.

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