Was tun, wenn beruflicher Stress die Partnerschaft gefährdet?

Aktualisiert: 12. Apr.


Es ist kein Wunder, dass unsere Gedanken immer um das gleiche kreisen, wenn wir beruflich unter Dauerstress stehen.


Wir wachen Stunden früher auf, und können abends schlecht abschalten. Da ist noch wenig Platz für Dinge, die normalerweise Spaß machen.


All dies kann dazu führen, dass sich der emotionale Blick, d. h. die Wahrnehmung dramatisch verengt: nach innen und nach außen.


Mehr noch: die Fähigkeit zur (Selbst-) Empathie nimmt ab und abstrakte Ideen von Liebe, Erfolg und Scheitern usw. rücken in den Vordergrund, um den eigentlichen Schmerz nicht mit voller Wucht spüren zu müssen:


„Kannst du nicht verstehen, dass die Arbeit momentan wichtiger ist?“, sagt Cornelia zu ihrer Partnerin. „Diese Chance werde ich vielleicht nie wieder bekommen. Wenn du mich wirklich liebst, dann unterstütze mich, aber falle mir nicht noch in den Rücken. Nicht jetzt.“


„Ich sehe doch, wie du dich schon wieder übernimmst“, antwortet Susi. „Und dann dieser Tunnelblick. Du guckst durch mich hindurch. Wie lange noch … und du erwartest von mir, dass ich einfach wieder zurückstecke?“


Der individuelle Umgang mit derartigen Belastungen spielt sicherlich eine Rolle. Früher oder später werden jedoch Risse in der Beziehung entstehen, wenn es wenig oder gar keinen positiven emotionalen Austausch mehr gibt, denn:


„Je mehr Sie über die innere Welt des anderen wissen, desto solider und erfüllender wird ihre Partnerschaft sein“, schreibt John Gottman.

🎬Ein Beispiel für einen heilsamen Dialog findet sich in der spannenden Serie „True Detective“. Darin spielt Woody Harrelson den Ermittler Marty Hart, dem nach und nach die Verbindung zu seiner Familie verloren geht.


Ein enormer Erfolgsdruck lastet auf seinen Schultern, da der Fall äußerst brutal und undurchsichtig ist. Konflikte mit seinem Kollegen, Rust Cohle (Matthew McConaughey), Überstunden und eine für ihn scheinbar „nebensächliche“ Affäre kommen hinzu, die weitreichende Folgen haben wird.


💬„Es stimmt“, sagt Marty sinngemäß in einer Szene zu seiner Frau, „ich bin kaum da, und unsere Töchter…, aber nur noch zwei Wochen, wenn wir dann keinen Erfolg haben, müssen wir den Fall abgeben. Es ist jetzt eben so… du weißt, ich kann über Gefühle nicht so gut reden…“


Marty befindet sich in einer beruflichen und auch privaten Extremsituation. Er glaubt jedoch am Ende des Tunnels Licht zu sehen: eine Zeit, in der er wieder präsenter ist.


„Es ist“, fährt Marty sinngemäß fort und schaut kurz zu Ihr hinüber, „als wäre ich in einem Tunnel, ganz alleine im Dunklen, und ich starre auf das Licht am Ende des Tunnels, in der Hoffnung, dass dann alles wieder so ist wie vorher.“


➡️Da legt sie ihre Arme von vorne auf seine Schultern und berührt sanft seinen Kopf, Stirn an Stirn, bis ihm Tränen über die Wangen laufen, in der Gewissheit, nicht mehr alleine im Tunnel zu sein.

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