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„Bleib bei mir“ – was Partnerschaften mit ADHS wirklich belastet

  • Autorenbild: Oliver Masch
    Oliver Masch
  • 12. März
  • 3 Min. Lesezeit


Unaufmerksamkeit ist mehr als Desinteresse


Stell dir vor, du möchtest mit deinem Partner den Sommerurlaub besprechen. Du hast dir schon viele Gedanken gemacht und freust dich darauf, gemeinsam zu planen.


Während du erzählst, hast du das Gefühl, dass dein Partner abgelenkt ist:

vom Handy, von den Kindern, von einem Geräusch.


„Interessiert dich das überhaupt?“, fragst du gereizt.

„Da gibt’s ein tolles Angebot. Wenn es dich nicht interessiert, buche ich einfach alleine.“


„Ja, mach das“, sagt deine Partnerin verärgert und steht auf, ohne dich anzuschauen.


Ein kleiner Moment – und doch fühlt ihr euch plötzlich beide weit voneinander entfernt.



Die neurobiologische Besonderheit: Was bedeutet Unaufmerksamkeit?


Viele Reize strömen ungefiltert ins ADHS-Gehirn.


Was ist das für ein Geräusch?

Das Blinken auf dem Handy.

Das Babbeln der Kinder.

Das Piepen aus der Nachbarwohnung.


All das passiert gleichzeitig – im Hier und Jetzt.


Der Sommerurlaub dagegen liegt in der Zukunft.


Das Gehirn eines Menschen mit ADHS richtet seine Aufmerksamkeit oft auf Reize, die gerade unmittelbar vorhanden sind. Diese Reize können wichtig sein. Es können auch Gedanken sein – oder Dinge, die nicht vergessen werden dürfen.


Das Gehirn funktioniert häufig im Modus:


„Aus den Augen, aus dem Sinn.“


Wenn viele Reize gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen, wirkt das nach außen wie Unaufmerksamkeit.


Wenn Unaufmerksamkeit auf verletzte Gefühle trifft


Doch in Beziehungen passiert noch etwas anderes.


Vielleicht lautet die innere Botschaft des ADHS-Partners:


„Ja, ich bin abgelenkt – das stimmt. Aber dass wir gerade nicht miteinander verbunden sind, merke ich oft erst, wenn du sauer wirst.“

Damit beginnt oft eine Dynamik, die viele Paare aus ADHS-Beziehungen kennen.


  1. Der ADHS-Partner ist abgelenkt.

  2. Der andere fühlt sich unwichtig oder übersehen.

  3. Er reagiert gereizt, verletzt oder kritisch.

  4. Erst jetzt merkt der ADHS-Partner: Hier stimmt gerade etwas zwischen uns nicht.



Die emotionale Reaktion macht die Unverbundenheit sichtbar.


Die Bindungsebene: Wenn Unaufmerksamkeit als Unverbundenheit erlebt wird


Je abgelenkter du deinen Partner erlebst, desto stärker entsteht in dir das Gefühl, unwichtig zu sein.

Dieser innere Schmerz steuert deine äußere Gereiztheit wie eine unsichtbare Hand.


Dein ADHS-Partner spürt deine Kritik oder Enttäuschung – und fühlt sich wiederum abgelehnt. Seine Unsicherheit wächst. Vielleicht taucht die alte Angst auf:


„Es klappt schon wieder nicht, dir die Aufmerksamkeit zu geben, die du brauchst.“


Dieser Schmerz kann zu Rückzug oder Wut führen.


Je kritischer du wirkst, desto abgelehnter fühlt sich dein ADHS-Partner. Und je abgelehnter er sich fühlt, desto mehr verteidigt er sich.

Dabei wollt ihr beide eigentlich dasselbe:

Nähe, Wertschätzung und Aufmerksamkeit.


Ein kleiner EFT-Impuls


Manchmal kann ein kleiner Satz helfen, den Teufelskreis zu unterbrechen.


Zum Beispiel:


„Ich merke, dass ich gereizt bin. Lass uns noch einmal von vorne anfangen. Ich habe für unseren Sommerurlaub ein tolles Angebot gefunden. Es muss heute gebucht werden, sonst ist es weg. Kannst du dir das jetzt oder etwas später mit mir anschauen?“

Dieser Satz öffnet wieder Raum für Verbindung.


Wie Unaufmerksamkeit den negativen Beziehungstanz verstärkt


Natürlich bist du gereizt, wenn du das Gefühl hast, dein Partner interessiert sich nicht für dich.


„Alles andere scheint wichtiger zu sein als ich.“


Das schmerzt – vor allem, weil du die Urlaubsplanung gerne gemeinsam besprechen wolltest. Wenn dein Partner abgelenkt wirkt, taucht vielleicht die Frage auf:


„Sind wir überhaupt ein Team?“


Gleichzeitig hat dein neurodiverser Partner oft sehr feine Antennen. Er spürt unbewusst deine Enttäuschung oder Verärgerung. Deinen Schmerz kann er jedoch oft nur erahnen.

Er ist auf einer tieferen Ebene verunsichert und lenkt sich noch mehr ab oder versucht sich anzupassen, indem er das Handy weglegt.

Schließlich fühlt er sich kritisiert oder abgelehnt. Während viele Reize auf ihn einströmen, denkt er vielleicht:


„Natürlich interessiert mich das. Was habe ich denn jetzt schon wieder falsch gemacht?“


Doch je unwichtiger du dich fühlst, desto gereizter wirst du.

Und je abgelehnter sich dein Partner fühlt, desto stärker verteidigt er sich.


So entsteht ein negativer Beziehungstanz.


Wenn der Tanz nicht unterbrochen wird, kann sich die Unverbundenheit immer weiter steigern.

Am Ende fühlt sich einer im Stich gelassen – und der andere missverstanden.


Erst in diesem Teufelskreis wird Unaufmerksamkeit zum eigentlichen Problem.

Nicht die Ablenkung selbst zerstört Verbindung, sondern die emotionalen Reaktionen darauf.


Gereiztheit und Kritik lösen Verteidigung aus.

Verteidigung verstärkt wiederum das Gefühl von Ablehnung.


Beratung bei ADHS in Partnerschaften


Wenn solche Situationen häufiger auftreten, kann es hilfreich sein, die Dynamik gemeinsam zu verstehen.


In meiner Beratung arbeite ich mit Paaren und Einzelpersonen daran, wieder mehr Verbindung und Verständnis in Beziehungen zu ermöglichen.


ADHS kann Partnerschaften vor besondere Herausforderungen stellen – gleichzeitig kann ein besseres Verständnis füreinander neue Wege öffnen.


➡️ Termin für ein Beratungsgespräch vereinbaren - in der Praxis oder per online



 
 
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