Emotionsfokussierte Paartherapie und Trennungsschmerz - Teil 2

Aktualisiert: 27. März

Wenn wir klare Signale der Verbundenheit senden, haben wir eine Chance, dass dies bei unserem Partner auch so ankommt.

Sue Johnson bringt es auf den Punkt: „Das größte Geschenk, das man als Eltern einem Kind - und ein Partner dem anderen - machen kann, sind emotional abgestimmte Aufmerksamkeit und zeitnahe Ansprechbarkeit.“


Zwischen Tür und Angel gehen diese eher sanften Momente jedoch oftmals verloren, vor allem wenn wir mit unseren Gedanken woanders sind oder gar die Befürchtung haben, das es wieder knallt.

Dabei kann es sein, dass wir wichtige Rituale vernachlässigen: z.B. der Kuss am Morgen oder das gemeinsame Einkaufen.


Paare berichten, dass dieser Trennungsschmerz eine Zeit lang ignoriert oder mit sich selbst ausgemacht wird.

Die einen lenken sich ab, die anderen werden immer mürrischer, vorwurfsvoller oder fressen den Frust, der sich angestaut hat, in sich hinein.

Fallbeispiel Charlotte und Bodo

Wir erinnern uns: Charlotte ist sauer, weil Bodo emotional nicht erreichbar ist. Ihre Wut steigert sich. Der Protest wird stärker (Phase 1).

Doch der Trennungsschmerz bleibt. Es ist, als würde Charlotte die Hand ausstrecken und niemand ist da. Und Bodo ist überwältigt, und will lieber gehen, weil er nicht weiß, was er machen soll. „Ich habe versagt.“

Er kann nicht verstehen, wie es dazu kommen konnte: er war gerade zuhause und wollte einfach nur einen schönen Feierabend mit Claudia verbringen. Es ging so schnell. Diesen Schmerz kann er jedoch nicht zeigen…


Der negative Tanz wird dramatischer, die Musik bedrohender: das Paar entfernt sich immer weiter voneinander. Der Trennungsschmerz drückt sich dann in der zweiten Phase meist in „Klammern und Drängen“ aus.


„Nein, du bleibst hier“, sagt Charlotte nun erschöpft, macht die Haustür wieder zu und stellt sich fordernd davor. „Warum nimmst du mich nicht einfach in den Arm?“

„Was soll das? Erst machst du mich zur Schnecke, und dann soll ich dich in den Arm nehmen“, reagiert Bodo „trotzig“.

„Ja, ich will es“, erwidert sie.

„Lieber würde ich…“

„Du liebst mich nicht.“

Charlotte weint, doch Bodo schüttelt mit dem Kopf und sagt: „Ich will jetzt gehen.“

„Bitte“, sagt sie und nimmt seinen Arm, den er jedoch sofort wieder wegzieht, um die Tür zu öffnen.


Bodo bleibt „hart“. Bei ihm kommt etwas völlig anderes an: emotionale Erpressung und Manipulation: „Wenn du schon alles falsch machst, dann musst du mich doch wenigstens trösten.“


Er will und kann nicht. Es erinnert ihn vage an Situationen, die er häufiger mit seiner Mutter erlebt hat.

Diese schmerzhaften Momente der Unverbundenheit können zu schweren Risse in der Beziehung führen, sodass häufig Verzweiflung und Depressionen folgen.

Grenzen der Emotionsfokussierten Paartherapie


„Kann unsere Beziehung überhaupt noch gerettet werden?“, fragt Bodo in der ersten Sitzung und fügt mit einem tiefen Seufzer hinzu: „So kann es jedenfalls nicht mehr weitergehen.“

„Es ist“, bestätigt Charlotte, „ja, nur noch ein Kampf. Wenn wir uns begegnen, gibt es direkt Streit, kein nettes Wort.“

„Verachtung, ach… Feindseligkeit“, ergänzt Bodo, „liegt ständig in der Luft. Und dann mit den Kindern. Es ist unerträglich.“

Die dritte Phase des Trennungsschmerzes umschreibt Sue Johnson sehr treffend mit „Depression und Verzweiflung“.

So erzählt Charlotte von heftigen Wutanfällen, Provokationen und Drohungen, ihn zu verlassen: „Je wütender ich werde, desto mehr zeigt er mir die eiskalte Schulter!“

Dies führt dazu, dass sich Charlotte zunehmend hilfloser und ohnmächtiger fühlt, und alles mit sich selbst ausmacht. Sie haben sich zu weit voneinander entfernt. Was bleibt, ist „einsame“ Trauer über das Scheitern der Beziehung.

Die Frage, ob Emotionsfokussierte Paartherapie in dieser Phase (noch) helfen kann, ist nicht leicht zu beantworten. Dies kann die Therapeutin oder Therapeut meist erst nach mehreren Sitzungen sagen.

In der Sitzung mit Charlotte und Bodo tauchen hin und wieder zarte Momente der gemeinsamen Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und Sicherheit auf. Dies kann unter Umständen eine wieder erlebte Basis sein, um an der Beziehung zu arbeiten.

Indem die Schritte des negativen Beziehungsmusters verlangsamt werden, kann das Paar allmählich wieder aufeinander zu gehen:

„Bodo, ich weiß, dass ich dir in letzter Zeit einfach Sachen so an den Kopf geknallt habe. Ich fühle mich momentan so alleine. Du fehlst mir, und ich möchte, dass du mir vielleicht ein Zeichen gibst, dass du da bist, dass ich dich erreichen kann.“

Wenn Bodo auf diesen Protest eingeht, kann das Paar den Riss wieder selber reparieren (Phase 1 „Wut und Protest“). Professionelle Unterstützung kann vor allem sinnvoll werden, wenn dies kaum noch gelingt (Phase 2 „Klammern und Drängen“).


Um Ruhe in die Beziehung zu bekommen, arbeitet das Paar an ihrem negativen Beziehungsmuster, indem beide ihre Anteile erkennen. Der Feind ist nun das Muster. Wenn die Musik des negativen Tanzes erklingt, machen sich beide darauf aufmerksam: „Lass uns aufhören, ich merke, wie ich gerade wieder abschalte und nur noch Vorwürfe höre.“


Wenn die dritte Phase „Depression und Verzweiflung“ dann jedoch noch weiter fortschreitet, ist nach Sue Johnson „nichts“ mehr zu retten, die vierte Phase „Ablösung“ ist erreicht:

„Der letzte Schritt ist die Ablösung. Bei Kindern wie Erwachsenen bedeutet das, zu akzeptieren, dass die Beziehung die Sehnsüchte nicht erfüllt, dass man daher aufhört, in sie zu investieren, und beschließt, sie einfach zugrunde gehen zu lassen. In dreißig Jahren Berufspraxis habe ich nie jemand aus dem Stadium der Ablösung zurückkommen sehen.“

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