„Trennung und Scheidung" - eigene Wege aus der Krise finden


Der alltägliche Stress in Partnerschaft und Ehe kann dazu führen, dass selbst eine scheinbar stabile Beziehung „kaputtgeht". Nach Bodenmann ist dies sogar ein entscheidender Grund für die immer noch relativ hohe Scheidungsrate (vgl. Bodenmann, 2016).


Hilfreich ist die Unterscheidung in drei Trennungsphasen:


  1. Ambivalenz

  2. Scheidung

  3. Neuorientierung (vgl. Behr u.a., 2020)

Menschen, die sich in der Ambivalenzphase befinden, berichten von einem äußerst schmerzlichen Prozess. Dieser kann sehr lange andauern, denn die Absicht, sich zu trennen, kommt nicht über Nacht. Betroffene fühlen sich verunsichert, innerlich zerrissen und sind unentschlossen. Gedanken wie "Soll ich gehen oder bleiben?" oder "Was wird dann aus den Kindern" drängen sich zunehmend auf.


Gleichzeitig erleben Menschen mit Trennungsabsichten immer noch Momente, in denen sie sich mit ihrem Partner verbunden fühlen. Dieses Auf und Ab ist eine Zerreißprobe für das eigene Selbstbild. Klienten spüren in dieser Phase "gewisse Ungereimtheiten": der liebevolle Partner passt offenbar nicht mit der ewigen Nörglerin zusammen, die sein Mann zunehmend unter Druck setzt.



Wenn Sie in einer Beziehung leben und den Eindruck haben, dass Sie

  • sich auseinandergelebt haben

  • sich "nichts" mehr zu sagen haben

  • wie "Bruder und Schwester" leben

  • ihren Partner nicht mehr richtig kennen

  • gemeinsame Themen zunehmend fehlen

  • sich immer wieder wegen Kleinigkeiten streiten

  • den Alltag nicht mehr in den Griff zu bekommen

  • sich zunehmend zurückziehen (Computer, Internet, Sport usw.)

  • nur noch wenig mit ihrem Partner unternehmen wollen/möchten

  • ihren Partner kontrollieren (obwohl Sie es eigentlich gar nicht wollen) usw.


befinden Sie sich möglicherweise in der Vorscheidungs- bzw. Ambivalenzphase.

Das personzentrierte Beziehungsangebot schafft in dieser Phase Raum für einen bewertungsfreien Dialog. Mögliche Beziehungsabbrüche gehen in der Regel mit Schuld- und Schamgefühlen, Verlassens- und Versagensängsten einher.


In vielen Fällen ist auch eine Enttäuschungswut zu spüren:


  • Enttäuscht darüber, dass der Partner einem nicht das geben kann, was man möchte und braucht („Das soll's jetzt gewesen sein?").

  • Enttäuscht aber auch über sich selbst, da man den "falschen" Partner gewählt hat oder die Partnerin nicht glücklich machen kann.


Es ist mutig, sich diesen Gefühlen zu stellen. Demnach bekräftigt der Therapeut den Klienten zur Symbolisierung seiner potenziellen Trennungsabsichten:


„Ich habe das noch niemanden erzählt, und nun wird mir klar, was mich eigentlich so wütend und traurig macht."


Auch Menschen, die sich nicht trennen wollen, befinden sich in einem permanenten Zustand der Verunsicherung, Zerrissenheit und Unentschlossenheit:


„Vielleicht ist es wirklich besser, wenn wir uns trennen!"


Dabei werden die Gefühle wie Trauer, Ärger und Wut nicht einfach wie ein „Papagei nachgeplappert". Der Berater geht vielmehr auf den inneren Bezugsrahmen des Klienten ein, indem er sich in die Lebenswelt einfühlt und diese akzeptiert. Damit ist jedoch kein Mitleid, sondern Mitgefühl gemeint. Aktives Zuhören zielt auf individuelle Lösungen ab, die sich aus den Ressourcen des Betroffenen entwickeln. Der Berater vertraut auf die Aktualisierungstendenz des Klienten: Welche Gefühle und Bedürfnisse sind im Hier und Jetzt vorhanden? Der Klient ahnt allmählich, wie unangenehme Erfahrungen und Erlebnisse ins Selbstbild integriert werden können, um nicht mehr von den oben genannten Stimmungen überwältigt zu werden: er weiß schließlich, was zu tun ist und kann handeln.

​Literatur:

Aron, E.: Hochsensibilität in der Liebe: wie ihre Empfindsamkeit die Partnerschaft bereichern kann. 6. Aufl. München 2015.

Behr, M., Hüsson, D., Lederer, H.-J., Vahrenkamp, S.: Gespräche hilfreich führen. Band2: Psychosoziale Problemlagen und psychische Störungen in personzentrierter Beratung und Gesprächspsychotherapie. 1. Aufl. Weinheim 2020.

Bodenmann, G.: Bevor der Stress uns scheidet. Residenz in der Partnerschaft. 2. Aufl. Bern 2016.

Hartmann, A.: Meine Bedürfnisse, Deine Bedürfnisse. Dem inneren Kind in der Partnerschaft Raum geben. 1. Aufl. Stuttgart 2017.

Merkel, R., Wolf, D.: Gefühle verstehen.,Probleme bewältigen. Eine Gebrauchsanleitung für Gefühle. Berlin 2015. (Hörbuch)


1 Ansicht

© 2021 - Oliver Masch      Datenschutz   Impressum

Meine Praxis befindet sich im Kölner Kunibertsviertel, nahe der Hochschule für Musik und Tanz

Oliver Masch

Praxis für Paartherapie, Personzentrierte Beratung und Psychotherapie 

Domstrasse 77

50688 Köln

Telefonisches Erstgespräch kostenlos: 

 

Tel.: 0162/4502971    

 

info@olivermasch.de

  • Instagram
  • LinkedIn Social Icon
  • Facebook